So ist das Leben: Fasten darf man. Arbeiten muß man (sofern man nicht Urlaub hat). Deswegen kommen nun ja die Fasten-Gedanken nicht mehr regelmäßig tagsüber, sondern oft kurz vor Mitternacht. Aber sie gelten ja auch für den nächsten Tag. Und darüber hinaus.
Gestern hatten wir e ja mit dem Fasten-Thema Nummer 1: Fleisch. Kommen wir also zum Thema Nummer 2, das knapp dahinter (oder für viele sogar davor) liegt: Alkohol (und andere Getränke). Schauen wir also auch hier, was die Kirchenväter und andere Altvordere dazu sagen.
Dazu frag ich einmal mehr meine Freunde von Wetter und Welte’s Kirchenlexikon, die schon an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert in Freiburg aus Sicht der katholischen Kirche die ganzen Debatten aus alter Zeit vorbildlich zusammengefasst haben. Demnach sind „mit dem Fasten alle Getränke vereinbar, welche nur zur Stillung des Durstes oder zur Förderung der Verdauung dienen“. Beispiele gefällig? „Kaffee, Thee, Limonade, Zuckerwasser“. So weit, so gut!
Aber auf der Liste der erlaubten Gegenstände stehen in diesem Zusammenhang aber ausdrücklich „Bier und Wein“. Das mag den einen oder anderen Zeitgenossen von heute zwar irritieren oder gar schocken. Aber dem ist nun mal so.

Verpönt waren hingegen,“solche Getränke, welche nur Speisen in flüssigem Zustande sind und zur Ernährung dienen – wie Milch und Suppen“. Da muss sicher heute so manche(r) heftig streiten.
Und dieser Streit entfaltete zuweilen bizarre Blüten. Nichts einzuwenden war nach katholischer Leute, die dieses Standardwerk exakt wiederzugeben versuchte, gegen den „einmaligen Genuß von einer kleineren Quantität Chocolade, welche mit Wasser gekocht ist, außerhalb der Mahlzeit“. Aber die Autoren räumten selbst ein: „Es läßt sich indessen nicht läugnen, daß eine Tasse Chocolade wohl nicht weniger Nahrungsstoff enthält als eine Tasse Milch.“
Wie also kommt man aus der Kiste wieder raus? Es komme wohl mehr auf das Verbot der Milch („Lactinien“) als auf die Kalorienzahl an. Man muss halt nur wissen, wie man solche Dinge begründet.
Das wussten auch die Mönche in Bayern, denen im Mittelalter sogar jegliches Essen verboten war. Also griffen sie statt zum Teller lieber zum Krug. Sie erinnerten sich der Regel „Liquida non frangunt jejuneum – Flüssiges bricht das Fasten nicht“. Und erfanden das Starkbier. Das sorgte nicht nur für genügend Kalorien, sondern auch für gute Stimmung.
Schlitzohrig, wie die Bayern nun mal sind, übernahmen sie den Brauch auch fürs weltliche Leben. Gerade eben, kurz vor Mitternacht am 25. Februar 2015, geht nämlich der legendäre Starkbier-Anstich am Münchner Nockherberg zu Ende. Da wird die Prominenz beim Paulaner-Bräu gewaltig durch den Kakao (wie gesagt in der Fastenzeit erlaubt) gezogen. „Ableckt“, heißt es dort. Und die Bajuwaren feiern einen zweiten Fasching. So sind sie halt. Gönnen wir es ihnen.






